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Vernetzung in der Suchtkrankenhilfe – aufgezeigt am Beispiel des Netzwerkes „Gesundheit, Sport und Erlebnis“
K. Turk; H. Deimel

Zusammenfassung:
Die Koordinierung der verschiedenen Suchthilfeangebote auf regionaler Ebene erweist sich häufig als unzureichend, so dass vielen Betroffenen nach der stationären Behandlung die Fortsetzung ihrer eingeleiteten Verhaltensänderungen auf der Wohnortebene misslingt. Dies gilt besonders für chronisch mehrfachbeeinträchtigt abhängige Menschen. Durch eine Vernetzung der unterschiedlichen Versorgungssysteme lässt sich eine größere Effektivität herstellen. Für die ambulante Sporttherapie bedeutet dies, entsprechende organisatorische, konzeptionelle und informelle Strukturen für diesen Personenkreis zu entwickeln. Das vorgestellte Netzwerk „Gesundheit, Sport und Erlebnis“ konkretisiert derartige Kooperationen.


Einleitung

Der Missbrauch von psycho-aktiven Substanzen sowie die häufig daraus resultierenden Abhängigkeitserkrankungen mit den damit verbundenen physischen, psycho-sozialen und ökonomischen Folgen stellen eine besondere Herausforderung, aber auch Belastung für das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies begründet sich allein durch die relativ hohen Prävalenzraten; die neueren Schätzungen gehen davon aus, dass

- „in der Altersgruppe der 18 bis 69-jährigen 1,7 Millionen Menschen alkoholabhängig sind, 2,7 Millionen Alkohol missbräuchlich konsumieren und 4,9 Millionen Alkohol riskant gebrauchen

- 800.000 bis 1.200.000 Personen medikamentenabhängig sind
- 2,1 Millionen Cannabis konsumieren, davon 270.000 Personen mit einer hohen Konsumfrequenz

- 250.000 bis 300.000 Personen harte illegale Drogen (Amphetamine, Ecstasy, Kokain, Opiate) konsumieren, davon 100.000 bis 150.000 Personen mit hoher Konsumfrequenz und hoch riskantem Gebrauch“ (vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2001, S. 13).

Zudem können ca. 25 % der Tabakkonsumenten als abhängig betrachtet werden. Zwar existiert im Hilfesystem der Suchtkrankenarbeit mittlerweile sowohl im ambulanten wie stationären Bereich ein gut ausgebautes Versorgungssystem, wohingegen in der Vernetzung der verschiedenen Versorgungssysteme Mängel nachweisbar sind. Dies kann z. B. anhand des ambulanten Bereichs oder der Nachsorge verdeutlicht werden, wo zwar in den städtischen Regionen eine Fülle von professionellen Hilfen und Selbsthilfe-Angeboten besteht, diese vielfach jedoch völlig unabhängig voneinander arbeiten. Durch eine entsprechende Koordination zwischen der Suchtkrankenhilfe, psycho-sozialen Hilfeträgern, niedergelassenen Ärzten oder Krankenhäusern läßt sich ein gemeindenahes Versorgungsnetz mit sehr vielfältigen und differenzierten Angeboten entwickeln, dass den Betroffenen individuell zugeschnittene Hilfsangebote eröffnet. Dazu wird die Einrichtung eines Koordinators (Case-Manager) empfohlen, der – bezogen auf die Bedürfnisse und notwendigen Hilfen des einzelnen Betroffenen – die Maßnahmen und Aktivitäten plant und steuert, so dass der Betroffene nicht im Geflecht der verschiedenen Institutionen und Angebote verloren geht. Insofern geht es darum, für den Patienten eine größere Transparenz der Angebote zu schaffen, um letztlich die im Sinne der WHO geforderte Teilnahme am gesellschaftlichen Leben (Partizipation) zu realisieren (vgl. Huber und Schüle 2000).

Bezogen auf die ambulante Sporttherapie bedeutet dies, gemeindenahe Strukturen und Angebote zu entwickeln, die von den verschiedenen Versorgungssystemen im Suchtbereich einer Stadt oder Region gemeinsam genutzt werden können;dies sind im wesentlichen

- ambulante Kontakt-, Beratungs- und Behandlungsstellen

- Gesundheitsämter

- Selbsthilfe-Organisationen

- Nachsorge-Einrichtungen

- Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten.

Im Unterschied zu den stationären Therapien, wo in der Regel auf eine strikte Trennung in der Behandlung von drogen- und alkoholabhängigen Menschen Wert gelegt wird, sind für die Nachsorge durchaus gemischte Gruppen in den Sportgruppen zu befürworten. Neben den organisatorischen Strukturen sind darüber zusätzlich auch informelle Strukturen zwischen den verschiedenen Institutionen und den sporttherapeutischen Anbietern herzustellen und zu sichern, dies besonders unter dem Gesichtspunkt, dass dadurch Einstiegs-Barrieren für die Betroffenen minimalisiert werden und präzisere Auskünfte über Inhalte und Zielsetzungen der Bewegungs- und Sportangebote vermittelt werden können.

Darüber hinaus sollte sich die sporttherapeutische Konzeption für dieses Klientel durch eine Ressourcenorientierung ausweisen; das Salutogenese-Modell von Antonovsky (1997) gibt hier relevante theoretische Vorgaben mit der besonderen Akzentuierung von solchen Faktoren wie z. B. Identitätsförderung, Selbstwirksamkeit, Stressbewältigungsfertigkeiten und sozialer Unterstützung. Dazu ergänzend bedarf es in diesem Feld immer auch einer besonderen Beziehungsfähigkeit zwischen den handelnden Personen, die sich schwerpunktmäßig durch solche Elemente wie

- Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit,

- Konstanz, Kontinuität und Strukturiertheit sowie

- Klarheit und Transparenz gekennzeichnet ist.

Eine besondere Notwendigkeit der Betonung dieser Faktoren ergibt sich bei diesem Klientel aus dem Gesichtspunkt, dass Beziehungserfahrungen von Suchtkranken häufig durch Brüche und Abbrüche gekennzeichnet sind. Das Erleben von Gemeinsamkeit, Kooperation und korrigierende Gruppenerfahrungen dient hier der Persönlichkeitsentwicklung und Nachreifung.

Im folgenden sollen die bisherigen Ausführungen anhand eines konkret vernetzten Modells im Drogenbereich verdeutlicht werden.
Ergänzende Selbsthilfe

Im Vergleich zum Alkoholismus haben sich in der Drogenarbeit wenige Selbsthilfeansätze durchgesetzt. Bei der Förderung von Selbsthilfe durch die professionelle Suchtkrankenhilfe geht es u.a. um den Aufbau und die Stabilisierung eines sozialen Netzes im Sinne einer ”drogenfreien Subkultur”. Dies ist als gezielte Nachsorgemaßnahme für eine psychosoziale Stabilisierung der Betroffenen und zur Festigung von therapeutischen Maßnahmen von wesentlicher Bedeutung und verbessert somit die Chancen, ohne Suchtmittel zu leben. Mit Bewegungs- und Sportangeboten in Kooperation mit Vereinen und Organisationen leistet die Suchtkrankenhilfe strukturierende Hilfe, um Selbsthilfeprozesse zu fördern.
Grundlage für die Selbsterfahrung im Kontakt mit anderen sind im Sinne einer Orientierung an den Ressourcen der Betroffenen deren gesunden und konstruktiven Fähigkeiten (vgl. Fais 1998, 320-321; Kleinschmidt 1996, 7ff).

Der Ansatzpunkt von Bewegung, Sport und Erlebnis zur Förderung von Selbsthilfe in der Nachsorge Suchtkranker ist ein Sportkonzept, welches in erster Linie auf Kör-per- und Selbsterfahrung sowie auf Kommunikation und Interaktion abzielt. Im Sinne einer aktiven Haltung und Einstellung gestalten die Teilnehmer der Angebote ihre Freizeit aus eigenem Antrieb. Die Gruppenangebote sollen Selbsthilfeprozesse anregen, indem Bewegen und Handeln in eigener Sache Grundlage für die Selbsterfahrung und den daraus resultierenden Veränderungen sind.

Neben einer gesundheitsorientierten Gestaltung der freien Zeit kommt es zu Kontakten und Austausch mit anderen Betroffenen.
Dabei werden Selbsthilfeprinzipien wie Gleichberechtigung, Freiwilligkeit und Mitgestaltung verwirklicht. Im Gegensatz zum oftmals ausgeprägten Machtgefälle zwischen Therapeuten und Betroffenen im klinischen Kontext wird im Rahmen von Selbsthilfeaktivitäten ein partnerschaftliches Miteinander angestrebt. Der Sportlehrer zeigt als aktives Gruppenmitglied wenig dirigierendes Verhalten und die Bearbeitung von auftretenden Schwierigkeiten und Problemen wird den Teilnehmern zugetraut. Zur Entwicklung einer Selbsthilfe-Atmosphäre, welche durch Selbstverantwortung und Mitgestaltung geprägt ist, sind in der Arbeit mit Suchtkranken klare Rahmenbedingungen (z. B. terminlich und inhaltlich strukturierte Vorgaben) und eine festgelegte Zeitstruktur notwendig (vgl. Deimel 1985, 9-10).


Netzwerk „Gesundheit, Sport und Erlebnis“

Während im Rahmen von stationären Maßnahmen von drogenabhängigen Menschen Bewegung und Sport mit unterschiedlichem Stellenwert als Bestandteil der Therapie angeboten werden, stehen in der Nachsorge die Förderung der Lebensbereiche Wohnen und Arbeit im Vordergrund. Nachsorge findet jedoch nicht ausschließlich nach stationärer Behandlung statt, sondern greift innerhalb einer Gesamtbehandlung Suchkranker an unterschiedlichen Stellen ein. So stellen moderne Ansätze den Gedanken der Integration ins Zentrum ihrer Bemühungen. Hilfestellungen zur Integration orientieren sich an lebensweltzentrierten Interventionen und lassen sich nicht auf die Bereiche Wohnen und Arbeit reduzieren. Der gestalteten Freizeit kommen z. B. in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu, da die betroffenen Personen dies in ihrer Sozialisation häufig nicht gelernt haben und von daher zu Passivität tendieren, deren Grundidee folgendermaßen lautet: der Rehabilitationsprozess ist erst dann abgeschlossen, wenn eine Veränderung der Rahmenbedingungen von therapeutischen Strukturhilfen hin zur Freiwilligkeit erfolgt ist.
Das Nachsorgekonzept des Netzwerkes Gesundheit, Sport und Erlebnis verfolgt folgende Integrationsmöglichkeiten:

Obwohl Drogenabhängige aufgrund der Schwere ihrer Störungen im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich die meiste Unterstützung benötigen, stehen ihnen im Vergleich mit anderen Abhängigkeitsformen insgesamt weniger Integrationshilfen zur Verfügung (vgl. Lehmann 1993, 175ff).

In seiner ”Empfehlung für Standards der Nachsorge” hält Leune die Vernetzung von sportpädagogischen Angeboten für notwendig und führt aus: ”Nachsorge darf nicht im Schonraum der therapeutischen Einrichtung stattfinden, sondern muss die gegebenen Möglichkeiten vor Ort in integrativem Sinne nutzen” (Leune 1996, 190). Im Sinne dieser Forderung ist die Vernetzung zwischen Kooperationspartnern ein wesentlicher Bestandteil der beschriebenen Netzwerkarbeit.

Mit dem Netzwerk „Gesundheit, Sport und Erlebnis“ haben zwei Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe ihre erlebnis- und sportorientierten Angebote über den Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln (DiCV), einen Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege, gebündelt. Ausgangspunkt dieser Vernetzungsgemeinschaft sind erlebnispädagogische Projekte für Drogenabhängige im poststationären Bereich des SKM-Rehazentrums Köln und das Nachsorgeprojekt „Bewegung ist Belebung“ der Caritas Suchthilfe RheinBerg.
Um die im Netzwerkprogramm ausgeschriebenen Gruppenangebote an Drogenabhängige und Alkoholkranke heranzutragen, ist es Teil der Netzwerkarbeit, mit Selbsthilfegruppen und -organisationen sowie Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe aus der Region zu kooperieren. Grundlage für die Durchführung von bewegungs- und sportspezifischen Aktivitäten ist eine enge Zusammenarbeit mit Sportvereinen. Neben der Nutzung von geeigneten Turnhallen und anderen Bewegungsräumen ist über eine pauschalisierte Mitgliedschaft bei Vereinen jeder Teilnehmer versichert und hat die Möglichkeit, andere sportartenspezifische Vereinsangebote zu besuchen. Ein weiterer Kooperationspartner ist das Institut für Rehabilitation und Behindertensport der Deutschen Sporthochschule Köln. So wurden Aktivitäten des Netzwerkes durch Diplomarbeiten dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet.

Mit verschiedensten Gruppenangeboten fördert das Netzwerk die aktive und gesundheitsorientierte Freizeitgestaltung. Suchtkranke, denen im Laufe der Jahre oft der Blick für eine bewegungsreiche und aktive Lebensgestaltung verloren ging, bekommen die Möglichkeit zur konstruktiven Auseinandersetzung innerhalb einer Gruppe Gleichgesinnter. Die konkret angebotenen alters- und entwicklungsspezifischen Gruppenaktivitäten sollen die Teilnehmer bei der Verwirklichung positiver Erfahrungen zur Entwicklung neuer Perspektiven und Ziele unterstützen. Vor allem bei Drogenabhängigen sind oftmals die eigenen konstruktiven und strukturfördernden Kräfte unterentwickelt. Um das Interesse und den Spaß der Teilnehmer zu wecken, werden vielfältige und unterschiedlich thematische Gruppenaktivitäten angeboten (vgl. Sickinger 1994, 11).

Die Abbildung 2 zeigt eine Strukturübersicht des Netzwerkes „Gesundheit, Sport und Erlebnis“.

Im folgenden werden einige der genannten Gruppenaktivitäten näher skizziert.

Sportgruppe

Die Sportgruppe als wöchentliches Bewegungsangebot findet in Kooperation mit der Turnerschaft Bergisch Gladbach 1879 e.V. statt und ist seit vielen Jahren ein Begegnungsraum für Suchtkranke. Der Spaß am gemeinsamen Spiel (z. B. Volleyball; kleine Spiele) wird ebenso gefördert wie die Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer, Kraft, Flexibilität, Koordination und Schnelligkeit (Froböse u. Nellesen, 1998). Daneben ist der Umgang mit der eigenen Sucht und unterschiedlichen Stimmungslagen ein immer wiederkehrendes Thema.


Fitnessgruppe

Im Rahmen der Fitnessgruppe steht die Kraft-, Ausdauer- und Gesundheitsförderung im Vordergrund. Im einem angemieteten Gruppentrainingsraum findet ein wöchentliches Fitnesstraining statt. Eine Mischung aus Gruppen-, Partner- und individualisierten Einzeltraining fördert gezielt die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die vorhandenen Kraft- und Ausdauergeräte werden in vorgegebenen und freien Trainingsinhalten eingesetzt und durch spezielle Funktionsgymnastik unterstützt (Froböse u. Nellesen 1998). Die Zielsetzungen liegen dabei in einem gesundheitlich sinnvollen Umgang mit Belastungsintensitäten unter Beachtung individueller körperlicher Belastungsgrenzen. Dies erfordert die Einbeziehung von Körperwahrnehmungsprozessen, um Körpersignale wahrzunehmen und korrekt zu deuten, was drogenabhängigen Menschen häufig schwer fällt.

Klettertreff

Der Klettertreff findet wöchentlich in einer öffentlichen Kletterhalle statt. Neben der Einführung in die Grundlagen des Hallenkletterns und der Sicherungstechniken werden die Möglichkeiten des Kletterns genutzt um z.B. Ängste zu überwinden, Erfolge zu erleben und jemanden zu vertrauen bzw. Verantwortung für andere zu übernehmen. Da die Kletterhalle jederzeit zugänglich ist, besteht auch über den Gruppentreff hinaus die Chance, in ein attraktives Bewegungsfeld einzusteigen.

Fußballtreff

Aus den anderen Gruppenangeboten hat sich der Fußballtreff entwickelt. Die Teilnehmer treffen sich wöchentlich zum Fußball spielen. Ungefähr monatlich findet ein Fußballspiel, auch gegen Freizeit- und Vereinsmannschaften, statt. Geleitet wird der Treff von zwei ehemals Drogenabhängigen.

Lauftreff

Der Lauftreff wird regelmäßig von Anfängern und Fortgeschritten besucht und findet unter dem Motto „Laufen ohne zu schnaufen“ statt. Neben den erwünschten Effekten von aerober Ausdauerbelastung erfahren die Teilnehmer vor allem die positive Beeinflussung ihrer Stimmung und des Wohlbefindens durch Laufen.

Segeln

Bei den eintägigen Segelaktionen, die in Kooperation mit dem Verein „Segeln für Behinderte e.V.“ aus Köln durchgeführt werden, lernen die Teilnehmer eine attraktive Teamsportart kennen und erweitern ihren Erlebnishorizont. Über den Segelverein besteht die Möglichkeit kostengünstig einen Segelschein (DSV A-Schein) zu erwerben.

Inline-Skating

In zweitägigen Einstiegskursen werden unter fachlicher Anleitung die grundlegenden Fahr-, Brems- und Falltechniken vermittelt. Die Teilnehmer erfahren durch die methodische Einführung schnelle Erfolgserlebnisse, vorhandene Ängste werden relativ rasch überwunden (Schaar 1999). Unter Gleichgesinnten fällt es leichter, seine Fähigkeiten und Grenzen zu erkennen und positiv zu beeinflussen. Der Kurs dient als Einstieg in ein neues attraktives Bewegungs- und Beschäftigungsfeld, welches später auch individuell weiter fortgeführt werden kann. Die Ausrüstung konnte durch Spendengelder organisiert werden.

Bergwandern

Einmal im Jahr wird eine erlebnisorientierte Sommerfahrt angeboten bei dem das Bergwandern im Vordergrund steht. Bergwandern und -steigen in den Alpen bietet den Teilnehmern Möglichkeiten sich neue Ziele zu setzen, sich Herausforderungen in bisher unbekannten Situationen zu stellen und „mal ganz weit nach oben zu kommen“. Die Unterbringung vor Ort erfolgt in Zelten auf einem Campingplatz, bzw. in Berghütten. Um die Mitgestaltung und Mitverantwortung für das Gelingen der Aktion zu fördern werden jeweils nur die Rahmenbedingungen vorbereitet und weitgehend festgelegt. Als Grundlage dient die Orientierung an erlebnispädagogischen Konzepten (Hufenus 1998).

Skifahren

Eine weitere Form von Aktiv-Urlaub ist die einmal im Jahr stattfindende Skifahrt für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Bewältigung der Herausforderungen des alpinen Skifahrens und intensive Erlebnisse in der winterlichen Bergwelt stärken die einzelnen Teilnehmer und die Gemeinschaft nachhaltig. In einer längeren Vorbereitungsphase mit verschiedenen Treffen werden Einzelheiten der Fahrt wie z. B. die Materialbeschaffung geplant oder eine gemeinsame Skigymnastik durchgeführt.

Übergeordnete Aspekte

Die Netzwerkpartner fördern in einer zusammenfassenden Betrachtung die Selbsthilfeaktivitäten von Suchtkranken, die sich zu sportartenspezifischen Gruppen zusammenfinden. Vor allem in der Anfangsphase solcher Aktivitäten ist eine strukturierende Hilfe in Form von Beratung und Beschaffung von Materialien notwendig. Daneben gilt es, einen regelmäßigen Informationsaustausch mit den am Netzwerk beteiligten Institutionen und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Literaturverzeichnis

ANTONOVSKY, A.(1997). Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: DGVT-Verlag.

BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT (Hrsg.) (2001). Vernetzung, Planung und Steuerung der Hilfen für Suchtkranke. Baden-Baden: Nomos, 13.

DEIMEL, H. (1990). Drogenabhängigkeit. In: Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.): Bewegung, Spiel und Sport mit Behinderten und von Behinderung Bedrohten. Indikationskatalog und Methodenmanual. Bonn, 1033-1060.

DEIMEL, H./BROSIUS, C. (1985/ 1986). Sport und Selbsthilfe – aufgezeigt am Beispiel von Selbsthilfegruppen im Suchtbereich. Teil 1-3. In: Sporttherapie in Theorie und Praxis. 2/1985, 9-10; 1/1986, 1-2; 2/1986, 1-2.

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FROBÖSE, I.; Nellesen, G. (Hrsg.) (1998). Training in der Therapie. Wiesbaden: Ullstein Medical.

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HUFENUS, H.-P. (1998).Erlebnispädagogik. Zeitschrift für Erlebnispädagogik 18, 24-27.

KLEINSCHMIDT, M. (1996). Förderung von Selbsthilfegruppen für Drogenabhängige – eine Herausforderung für die Drogenhilfe? In: Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der EKD (Hrsg.): Partner. Heft 3/96. Kassel, 7-15.

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SCHAAR, B. (1999). Ein methodischer Weg zum sicheren Inline-Skating. In: HÄNSEL, F. (Hrsg.). Lifetime-Sport Inline-Skating, Schorndorf: Hofmann.

SICKINGER, R. (1994). Ausstieg aus der Heroinabhängigkeit. Freiburg: Lambertus.

WEISS, U./LEHMANN, A. (1996). Bewegung, Spiel und Sport in der stationären Suchttherapie. Teil I: Grundlagen. Magglingen.

Anschrift der Verfasser:
K. Turk, Dipl. Sportlehrer, Dipl. Soz.arb.
Dr. H. Deimel
Institut für Rehabilitation und Behindertensport
Deutsche Sporthochschule Köln
50927 Köln
E-mail: deimel@dshs-koeln.de



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